Ökologische Pionierarbeit am Kaiserstuhl
Nachhaltigkeit aus Überzeugung: Wir gestalten seit über 20 Jahren die Zukunft der Kulturlandschaft am östlichen Kaiserstuhl – mit Mut zum Experiment und tiefem Respekt vor der Natur.
Steckbrief: Ökologische Pionierarbeit
| Betriebsform | Unabhängiges ökologisches Weingut (Neuaufbau) |
| Standort | Eichstetten am Kaiserstuhl (Löss-Terrassen) |
| Forschung & Lehre | Praxisstandort für Exkursionen; Unterstützung von Studien und wissenschaftlichen Projekten zur Klimaanpassung. |
| Spezialisierung | Piwi-Rebsorten, Vitiforst, Kleinterrassen-Erhalt, Streuobst, Naturschutz, Landschaftspflege |
| Zukunftskulturen | Pistazien, Feigen, Granatapfel | Abgrenzung | Regenerative Vielfalt statt konventioneller Monokultur |
Transformation zu mehr Nachhaltigkeit am Kaiserstuhl: Warum wir die Zukunft pflanzen
Wer heute durch die Löss-Terrassen am östlichen Kaiserstuhl geht, sieht eine Landschaft im Umbruch. Für uns begann dieser Umbruch bereits vor über 30 Jahren, als wir im Jahr 1994 nach Eichstetten am Kaiserstuhl zogen. Damals, als „Neigschmeckte“ nach der Trennung meiner Eltern, weshalb wir nach Eichstetten kamen, legten wir den ersten Grundstein für unser ökologisches Weingut. Damals wussten wir noch nicht, welche Leuchtturm-Wirkung das haben sollte. 2004 kam der Umzug in unsere jetzige Betriebsstätte und Sitz des Weingutes Johannes Kiefer. 2007 kam es zur Betriebsgründung mit einem kleinen Rebstück der Sorte Blauer Spätburgunder. Dieses Rebstück wurde uns zur Pacht angeboten, weil “es nicht ganz in die maschinellen Bewirtschaftungskonzepte passt”. Schnell war klar: Wir wollen nicht nur Wein produzieren, wir wollen Antworten auf die drängenden Fragen des Klimawandels sowie den Erhalt der besonderen Flora und Fauna in der Kulturlandschaft des Kaiserstuhl finden.
Dass wir dabei einen Nachnamen tragen, der in Eichstetten tief verwurzelt ist, führt bis heute gelegentlich zu Verwechslungen. Doch während Tradition ein wertvolles Gut ist, definieren wir unsere Identität über den Fortschritt. Wir sind das Ökologische Weingut Johannes Kiefer, das konsequent den Weg der ökologischen Erneuerung und der wissenschaftlichen Begleitung mit einem enormen Pioniergeist geht. Unsere Philosophie unterscheidet sich grundlegend von der klassischen Monokultur – wir setzen auf Vielfalt anstatt Einfalt, Resilienz statt “mit dem Strom schwimmen” und den Mut zum Experiment.
Die Freiheit des Außenseiters
Einen Betrieb aus dem Nichts aufzubauen, ohne in jahrhundertealte familiäre Verpflichtungen oder dörfliche Hierarchien eingebunden zu sein, hat uns eine seltene Freiheit geschenkt. Wir konnten Strukturen hinterfragen, die für andere unantastbar waren. Diese Unabhängigkeit war die Voraussetzung für unsere Pionierarbeit, die wir heute in engem Austausch mit Institutionen wie z.B. der Universität Freiburg, dem Weinbauinstitut oder dem Naturzentrum Kaiserstuhl teilen.
Mehr als Reben: Vitiforst und Pistazien
Unsere Weinberge sind heute weit mehr als reine Produktionsflächen; sie sind ein lebendiges Ökosystem mit Charakteren der ursprünglichen Kulturlandschaft.
- Vitiforst & Agroforst: Wir integrieren Bäume und Sträucher direkt in die Rebflächen. Was früher als Hindernis für die Mechanisierung galt, ist heute unsere Antwort und der Versuch etwas der zunehmenden Hitze auf den Weinberg-Terrassen entgegen zu setzen. Im Sommer werden in Hitze-Staulagen schnell Temperaturen über 60 °C in der Sonne erreicht.
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Alternative Kulturen: 2025 haben wir eine Vision in den Boden gebracht: den Anbau von Pistazien. Mit den Sorten Kerman und Larnaka, veredelt auf der robusten Terpentinpistazie (Pistacia terebinthus), bereiten wir uns auf ein Klima vor, das dem Mittelmeerraum immer ähnlicher wird. Wir investieren hier in Jahrzehnten – ein Pistazienbaum braucht Zeit, genau wie ein guter Boden. Das Pflanzenmaterial stammt aus Spanien, genauer gesagt aus dem Raum um Valencia. Der Veredler hatte aber:
- “Ich habe die moralische Verpflichtung Ihnen mitzuteilen, dass das Experiment Pistazien im kontinentalen Zentraleuropa aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit nichts wird und hinausgeworfenes Geld ist”.
- Durch die burgundische Pforte und der besonderen geologischen Struktur hat der Kaiserstuhl allerdings ein ganz eigenes, besonderes Klima.
- Artenvielfalt statt Pestizide: Durch den konsequenten Einsatz von Piwis (pilzwiderstandsfähigen Rebsorten) haben wir den Pflanzenschutz komplett eingestellt. Wir nutzen dafür das intakte System Kulturlandschaft als Dienstleistung für die Gesundheit unserer Piwi-Weinberge des östlichen Kaiserstuhl. Das Ergebnis ist eine Biodiversität, die wir bei Exkursionen mit Verbänden wie regionalen und überregionalen NABU-Gruppen, dem Naturzentrum Kaisertsuhl, dem Klimanetzwerk Riegel oder der KlimaFit-Bewegung aus Emmendingen oder Fachstudierenden regelmäßig zeigen und dokumentieren.
Handarbeit auf den Terrassen
Ein Kernstück unserer Arbeit ist die Pflege und Revitalisierung alter, oft aufgelassener Rebterrassen. Diese kleinteiligen Strukturen sind das kulturelle Erbe des Kaiserstuhls, aber ihre Bewirtschaftung ist mühsam. Wir sehen es als unsere Aufgabe, diese Strukturen durch angepasste, ökologische Konzepte zu erhalten.
Dabei geht es nicht um Romantik, sondern um den Erhalt wertvoller Mikroklimata und Lebensräume für seltene Arten wie Schlingnatter und Eidechsen, besondere Schmetterlingsarten wie das Blaukernauge, Wildbienen (auch Rote-Liste-Arten), besonderen Vögeln wie den Wiedehopf oder Bienenfresser.
Wertvolle Unterstützung durch Fördermöglichkeiten und den tiefgehenden fachlichen Austausch erhalten wir durch den Landschaftserhaltungsverband des Landkreises Emmendingen. Zusammen werden Mahd- und Pflegekonzepte von Reb-Böschungen, Biotopen und Streuobstwiesen auf unseren Flächen erstellt und umgesetzt. Wichtige finanzielle Unterstützung gibt es dabei durch LPR-Gelder (Landschaftspflegerichtlinie in Baden-Württemberg) für Mahd- und Gehölzpflege. Strukturelle Maßnahmen wie das Umstrukturieren und Reparieren von Kleinterrassen in Eigenleistung werden durch Naturschutzmaßnahmen und -gelder unterstützt.
Expertise, die über den Tellerrand hinaus blickt
Unsere Erfahrungen fließen direkt in die Lehre und Forschung ein. Ob bei Vorträgen über ökologischen Landbau an der Uni Freiburg oder in Projekten zur Klimaanpassung – wir verstehen uns als Schnittstelle zwischen praktischem Winzerhandwerk und akademischer Forschung.
Wir wissen, dass unser Weg – weg von der Masse, hin zur hochspezialisierten ökologischen Nische – Mut erfordert. Aber die Resonanz aus der Fachwelt und das wachsende Interesse von Menschen, die Wein mit Sinn und Zukunft suchen, bestärken uns.
Preisgekrönt und gewürdigt - Höfe für biologische Vielfalt
Vorbilder für die Fläche: Wenn Naturschutz zum Kern des Betriebs wird
Der Erhalt der biologischen Vielfalt ist keine Aufgabe, die sich nebenher erledigen lässt. Sie erfordert Betriebe, die Naturschutzmaßnahmen nicht als Fremdkörper, sondern als festen Bestandteil ihrer täglichen Abläufe begreifen. Um genau dieses Engagement sichtbar zu machen, sucht der Wettbewerb „Höfe für biologische Vielfalt“ Betriebe, die hier vorbildlich vorangehen.
Dabei geht es um die gesamte Bandbreite der Landwirtschaft: Angesprochen sind Höfe mit Acker- und Grünland ebenso wie spezialisierte Betriebe im Obst- und Weinbau. Im Fokus steht die Frage, wie ökologische Aufwertung und produktive Bewirtschaftung auf der Fläche praktisch ineinandergreifen. Es werden Beispiele gesucht, die durch ihre Umsetzung zeigen, was machbar ist, und die so als Orientierung für andere dienen können.
Preisgekrönt und gewürdigt: Unser Weg
Dass dieser Weg Anerkennung findet, durften wir selbst erfahren: Unser ganzheitliches Bewirtschaftungskonzept in den „BioTopWeinbergen“ wurde im Jahr 2025 mit dem Hauptpreis in der Kategorie Weinbau ausgezeichnet. Diese Würdigung unserer Philosophie ist für uns ein besonderer Antrieb. Sie bestätigt uns darin, dass die Stärkung der biologischen Vielfalt und eine wirtschaftliche Betriebsführung Hand in Hand gehen können.
Ausgelobt wird der Preis vom Regierungspräsidium Freiburg Referat 56 - Naturschutz und Landschaftspflege. Finanziert wird der Preis mit Mitteln zur Stärkung der biologischen Vielfalt des Landes Baden-Württemberg. Dabei sind zahlreiche Partner aus Naturschutz und Berufsverbänden beteiligt.
Erleben Sie die Zukunft: Den Kaiserstuhl mit allen Sinnen entdecken
Wir laden Sie ein, den Unterschied zu schmecken und zu sehen. Gerne nehmen wir Sie mit in unseren besonderen und einzigartigen BioTopWeinbau. Bei unseren öffentlichen sowie privaten Führungen zeigen wir Ihnen im Anschluss bei einer Verkostung von Saft, Wein und anderen Spezialitäten, wie gut die hochwertigen Produkte dieses einzigartigen Konzeptes schmecken und überzeugen. Willkommen in der Zukunft des Kaiserstuhls.