Steckbrief: Biotoppflege im Weingut Johannes Kiefer
| Zielsetzung | Erhalt der Artenvielfalt und Stabilisierung der historischen Terrassenböschungen. |
| Leitarten (Flora) | Glatthafer, Orchideen, Wiesensalbei, Malven, Wildobst (Spilling, Myrobalane). |
| Nutztiere (Fauna) | Wildbienen, Hummeln, Eidechsen und zahlreiche bestäubende Insekten. |
| Verfahren | Gezielte Mahd mit dem Messerbalken und Handmahd mit Spezialsensen. |
| Nachhaltigkeit | Abtransport des Mähguts zur Aushagerung (Stabilität) und Nährstoffrückführung auf Kulturflächen. |
| Produkte | Verarbeitung von Wildfrüchten zu handgemachten Essigen und Fruchtaufstrichen. |
Was macht dieses Gelände so besonders?
Am Kaiserstuhl prägt eine historische Landschaft aus kleinteiligen Terrassen das Bild – zumindest dort, wo in den 1970er- und 80er-Jahren keine großen Flurbereinigungen stattfanden. Während in vielen Nachbargemeinden riesige Planflächen entstanden, blieb unser ökologisches Kleinod von diesen extremen Umlegungen verschont.
Diese Kulturlandschaft ist stark durch die Hand des Menschen geprägt. Die einzigartige Flora und Fauna befindet sich stetig im Wandel und verdankt ihre enorme biologische Vielfalt genau dieser jahrhundertelangen, behutsamen Kultivierung.
Auch in unserem Weinberg gab es Veränderungen: Durch private Initiativen früherer Besitzer wurden kleinste Flurstücke zusammengelegt und einige Terrassen für die Bewirtschaftung optimiert. Diese historische Struktur pflegen wir heute gezielt weiter, um den Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten zu erhalten.
Die Umgestaltung beginnt
Im April 2015 war es dann so weit: Die Baumaschinen rückten das erste Mal an. Mit unserem Baggerfahrer machten wir einen echten Glücksgriff. Im Kosovo mit der Landwirtschaft aufgewachsen, brachte er ein unglaubliches Gespür für Boden und Strukturen mit. Ergänzt wurde dies durch sein handwerkliches Können aus langjähriger Erfahrung im Straßen- und Erdbau.
Anfängliche Skepsis war schnell verflogen, auch wenn die Anspannung während der gesamten ersten Einsatzwoche blieb. Es war das erste Mal, dass wir ein Projekt dieser Größenordnung mit einem externen Dienstleister umsetzten.
Schnell wurde jedoch klar: Nur mit dem Bagger kommen wir nicht weit. Das Erdreich musste stellenweise über weite Strecken auf den Weinbergterrassen transportiert werden. Mit unserer üblichen Schmalspurtechnik und ohne kippbaren Anhänger? Keine gute Idee! Die kippanfälligen Weinbautraktoren sind für solch grobes Gelände viel zu gefährlich, und ohne Kipper wäre das Projekt zur endlosen Geduldsprobe geworden.
Die Lösung lieferte ein Baumaschinenverleiher. Für Johannes stand damit eine ganz neue Erfahrung an: Kettendumper fahren. Das Grinsen war mindestens doppelt so breit wie das Gesicht und die Vorfreude enorm. Wir haben die Herausforderung angenommen – ein bis heute prägendes Erlebnis bei der Entstehung unseres BioTop-Weinbergs.
Die Umgestaltung beginnt
Im April 2015 war es dann soweit: Die Baumaschinen rücken das erste Mal an. Mit dem Baggerfahrer hatten wir einen echten Glücksgriff. Im Kosovo mit Landwirtschaft aufgewachsen hat der Fahrer das Gespür für Boden und Strkturen mitgebracht. Ergnäzt wurde das durch das Handwerkliche können durch langjährige Erfahrung im Straßenbau.
Anfängliche Skepsis war schnell verflogen. Die Anspannung blieb jedoch die ganze Woche über während des ersten Einsatzes. Für uns war das eine ganz besondere Erfahrung. Das erste Mal haben wir mit einem externen Dienstleister ein Projekt in dieser Größenordnung angefangen. Schnell war jedoch klar, nur mit dem Bagger ist nicht viel gemacht. Der Grund bzw. die Erde musste stellenweise auch transportiert werden. Mit Schmalspurtechnik und ohne Anhänger mit Kippfunktion ein solches Projekt anfassen? Keine Gute Idee! Die kippanfällige Schmalspur- bzw. Weinbautechnik ist für solch grobes Gelände viel zu gefährlich. Und ohne einen Kipper wird das Projekt endlos. Die Lösung war ein Baumaschinenverleiher. Also Stand für Johannes eine ganz neue Erfahrung an: Kettendumper fahren. Das Grinsen mindestens doppelt so breit wie das Gesicht und die Vorfreude waren enorm. Die Herausforderung wurde angenommen. Das ist ein bis heute prägendes Erlebnis gewesen.
"Manchmal muss man kaputt machen, um etwas zu reparieren"
Es war faszinierend zu erleben wie die Umgestaltung langsam Form an nimmt. Die Böschungen wurden stellenweise abgetragen, Wege ausgebaut und verbreitert sowie die zukünftigen Kulturflächen egalisiert. Johannes ist aus Spaß zum Baggerfahrer hin und meinte: "Fatmir du machst hier alles kaputt. Fatmir, der Baggerfahrer, meinte dann
Johannes, manchmal muss man etwas kaputt machen um etwas zu reparieren!
Nach der Planie kam jeweils die Neuansaat der Böschungen mit gebietsheimischen Saatgut. Dazu kam zum einen heimischer Wiesendrusch aus der Region aber auch zertifiziertes gebietsheimisches Saatgut zum Einsatz. Ziel ist hier zum einen die Stabilisierung der Böschungen und das Schaffen von hochwertigen Lebensräumen.
Nach der Planie der Kulturflächen soll sich der Boden erstmals setzen und erholen. Dort wurden Kulturmischungen zur Bodenverbesserung eingesät.
Der Grundstein für Weinbau ohne Pestizide: PIWI-Rebsorten
Die Arbeiten zur Geländemodellierung schritten in den Jahren 2016 bis 2020 stetig voran. Stück für Stück konnten wir angrenzende Parzellen dazukaufen und unser ökologisches Kleinod sinnvoll ergänzen.
Die hohen Investitionen in den Boden sowie die Neugestaltung des Geländes sollten sich natürlich auch wirtschaftlich tragen. Als Weingut war die Entscheidung für den Weinbau naheliegend. Dabei setzten wir – mit einer Ausnahme – konsequent auf innovative Neuzüchtungen: pilzwiderstandsfähige Rebsorten, kurz PIWI-Rebsorten.
Den Anfang machten im Jahr 2015 die ersten Muscaris-Reben. 2016 folgten Souvignier Gris sowie die Rotweinsorte Cabernet Cantor. In den darauffolgenden Jahren ergänzten wir das Sortiment um Helios, Johanniter, Piroso, Prior und Cabernet Cortis.
Natürlich gehören auch Lernprozesse dazu: Auf einem anderen Rebstück hatten wir Ende 2015 Auxerrois gepflanzt. Obwohl wir von dieser klassischen Sorte begeistert waren, passte sie nicht in unser konsequentes Konzept des BioTop-Weinbergs. Zwei Jahre später trafen wir die radikale Entscheidung, die junge Anlage zu roden und auf die robustere Sorte Souvignier Gris umzustocken – ein klares Bekenntnis zu unserem Weg.
Die Umgestaltung ist getan, jetzt beginnt die Arbeit
Heute, im April 2026, sind wir mit der Umgestaltung seit ein paar Jahren fertig. Die Eingriffe haben sich erholt, Piwi-Reben sind alle gepflanzt und haben sich etabliert. Die ganz besondere Topographie, Geländegestaltung, unser enormes Engagement für den Natur- und Artenschutz zahlen sich aus - Ein Weinberg, in dem keine Spritzmittel eingesetzt werden.
Das Ökosystem Kulturlandschaft können wir als Dienstleister für die Pflanzengesundheit nutzen. Gesunde Böden, die nur befahren werden, wenn es absolut notwendig ist zahlen sich aus. Die Pflege unserer Biotope hat sich eingespielt. Mehr Informationen gibt es hier: Biotoppflege.
Im Jahr 2023 haben wir angefangen unsere bereits natürlich vorkommenden Viti-Forstsysteme mit Kulturgehölzen zu ergänzen. Hierfür haben wir an verschiedenen Stellen unterschiedliche Gehölze gesetzt. Wir möchte für die Zukunft herausfinden welche Gehölze Sinnvoll sind, was im Idealfall gute Synergieeffekte mit sich bringt und wie die Früchte ökonomisch genutzt werden können. An einer Stelle haben wir alte Birnen- und Apfelsorten auf Sämlingsunterlagen gepflanzt. An anderer Stelle experimentieren wir mit Pistazien, mit Sämlingen von Wildaprikosen, Wildpflaumen (Myrobalane), Pfrisichsämlingen, Feigen und Granatäpfeln.
Was die Zukunft bringt und wie sich alles entwickelt? Es bleibt Spannend.